{"id":747,"date":"2011-06-26T14:05:53","date_gmt":"2011-06-26T13:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitraster.de\/blog\/?p=747"},"modified":"2011-06-26T14:05:55","modified_gmt":"2011-06-26T13:05:55","slug":"number-five-cities-of-gold-and-mirrors-julia-stoschek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitraster.de\/blog\/?p=747","title":{"rendered":"Number Five: Cities of Gold and Mirrors  JULIA STOSCHEK"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.zeitraster.de\/blog\/?attachment_id=750\" rel=\"attachment wp-att-750\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.zeitraster.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/DSC4824-5.jpg\" alt=\"\" title=\"_DSC4824-5\" width=\"639\" height=\"958\" class=\"aligncenter size-full wp-image-750\" \/><\/a> Foto: \u00a9Uwe Weber<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeitraster.de\">http:\/\/www.zeitraster.de<\/a><\/p>\n<p>NUMBER FIVE: CITIES OF GOLD AND MIRRORS (02. Juli 2011 \u2013 Sommer 2012)<\/p>\n<p>Ab dem 25.Juni wird in der JULIA STOSCHEK COLLECTION eine Neupra\u0308sentation der Sammlung zu sehen sein.<\/p>\n<p>Die 44 Werke von insgesamt 35 Ku\u0308nstlerInnen umfassende Ausstellung dokumentiert bisher noch nie gezeigte Arbeiten, Neuerwerbungen der letzten Jahre sowie ortsspezifische, ra\u0308umliche Interventionen. Fu\u0308r jede Arbeit wurde eine sorgfa\u0308ltig durchdachte Pra\u0308sentationsarchitektur initiiert.<br \/>\nStatt einer thematischen Zusammenstellung verfolgt die Konzeption der Ausstellung verschiedene inhaltliche Stra\u0308nge und spiegelt aktuelle Themen der zeitgeno\u0308ssischen Kunstproduktion wider. Der Titel CITIES OF GOLD AND MIRRORS rekurriert nicht nur auf den in der Ausstellung gezeigten Film von Cyprien Gaillard, sondern steht metaphorisch fu\u0308r die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen in Hinblick auf Stadtentwicklung und Urbanismus und der Beziehung des Menschen zur Architektur und zu seinen perso\u0308nlichen Sehnsu\u0308chten und Eitelkeiten.<br \/>\nIm ersten Ausstellungsgeschoss stehen Positionen wie die von Gordon Matta-Clark, Tobias Zielony, Cyprien Gaillard und Francis Aly\u0308s fu\u0308r die Ma\u00dfsta\u0308blichkeit oder das Verha\u0308ltnis von Architektur und Mensch.<br \/>\nMit seinen ra\u0308umlichen, skulpturalen Eingriffen oder \u201eBuilding Cuts\u201c konterkarierte Matta- Clark bereits in den 1970er Jahren die traditionelle Raumwahrnehmung und wirft zugleich eine Kritik an Stadtplanung und den Bedingungen von o\u0308ffentlichem Leben und privatem Raum auf. Seine Filme sind nicht nur Dokumente seiner teils anarchistischen Aktionen, sondern die einzigen U\u0308berbleibsel dieser prozesshaften Interventionen und karthographieren die Stadt als urbanen Raum in all seinen Facetten.<br \/>\nTobias Zielony dokumentiert in seiner aus 7000 Einzelbildern montierten Fotoanimation die von Francesco di Salvo entworfene Wohnmaschine LE VELE DI SCAMPIA (2009) in einem Vorort von Neapel. Der in den 1960er Jahren gebaute Komplex hat als Keimzelle der Mafia traurige Beru\u0308hmtheit erlangt. Zielonys Animation zeigt die mittlerweile abgenutzte, teils verfallene Architektur und ihre Bewohner und zeichnet den Niedergang und die gleichzeitig mystische Kraft dieses Ortes nach.<br \/>\nIm titelgebenden 16-mm-Film CITIES OF GOLD AND MIRRORS (2009) verbindet Cyprien Gaillard fiktive Elemente der japanisch-franzo\u0308sischen Fernsehserie \u201eThe Mysterious Cities of Gold\u201c mit Szenen des Pauschaltourismus. Er kontrastiert in seinem<br \/>\nFilm die in den 1970er Jahren entstandene Hotelanlage im mexikanischen Cancu\u0301n mit den Ruinen einer ehemals ma\u0308chtigen Maya-Hochkultur. Nicht in der Rolle eines Archa\u0308ologen, sondern eines Dokumentaristen zeigt Gaillard amerikanische Studenten, die vor der eindrucksvollen Fassade der an Pyramidenbauten erinnernden Hotelanlage ihren \u201eSpring Break\u201c mit exzessivem Kampftrinken zelebrieren und konfrontiert den Betrachter mit der Banalisierung von Kultur.<br \/>\nREHEARSAL I (ENSAYO I) (1999-2001) lautet der Titel der zentralen Arbeit des belgischen Ku\u0308nstlers Francis Aly\u0308s. Wie der \u201emoderne Sysiphos\u201c versucht ein roter VW Ka\u0308fer \u2013 im Rhythmus einer mexikanischen \u201eMariachi\u201c-Blaskapelle \u2013 einen Hu\u0308gel hinaufzufahren. Kurz bevor er die Spitze erreicht, ho\u0308rt die Kapelle auf zu spielen und der Wagen rollt wieder hinunter. In der na\u0308chsten Sequenz geht das Ganze von vorne los. Das Video ist eine existentielle Metapher fu\u0308r die politische Situation in Mexiko und die wirtschaftliche Diskrepanz, die Mexiko und die USA voneinander trennen.<br \/>\nIm zweiten Ausstellungsgescho\u00df wird die klare filmische Ausrichtung aufgebrochen. Positionen wie die von Andreas Gursky, Mark Manders, Andro Wekua oder David Claerbout stehen exemplarisch fu\u0308r die Komplexita\u0308t der Ausdrucksformen.<br \/>\nDie gro\u00dfformatige Fotografie UNTITLED XII, NO. 4 (2000) von Andreas Gursky zeigt eine Buchseite aus dem Jahrhundertroman \u201eDer Mann ohne Eigenschaften\u201c von Robert Musil. Seite 769 so steht es am unteren Rand, dennoch ist es keine getreue Abbildung dieser Seite. Gursky hat Passagen im Text digital vera\u0308ndert und Wo\u0308rter durch andere ersetzt. Diese sind aber visuell nicht als vera\u0308nderte Stellen erkennbar. Das Textfragment beschreibt die Ma\u00dfsta\u0308blichkeit von Geist, Mensch und Natur, seine Position innerhalb des Kosmos. Die Seite ist abfotografiert und u\u0308berdimensioniert und bricht so mit tradierten Wahrnehmungsgewohnheiten.<br \/>\nMark Manders Skulptur LARGE FIGURE WITH THIN NEWSPAPER (2010) ist Teil seines seit 1986 kontinuierlich fortgesetzten ku\u0308nstlerischen Entwurfs eines \u201eSelf portrait as a building.\u201c Das bisher noch nicht abgeschlossene Projekt ist Ausdruck von Manders Archiv an Erfahrungen, Gedanken und Bezu\u0308gen seiner eigenen Realita\u0308t. Die aus dieser Auseinandersetzung mit sich selbst entstandenen Installationen oder Skulpturen ko\u0308nnen viele Erscheinungsformen annehmen und Objekte seiner Alltagswelt oder ganze Raumkonstellationen mit einschlie\u00dfen. Seine Werke sind hermetische, selbstreferentielle, humoristische oder zutiefst poetische Abbilder einer abstrahierten Biografie. Sie bestehen aus mehreren Bausteinen und sind gepra\u0308gt von einer tiefen Emotionalita\u0308t und Melancholie.<br \/>\nA\u0308hnlich wie Manders inszeniert und visualisiert Andro Wekua in seinem Video NEVER SLEEP WITH A STRAWBERRY IN YOUR MOUTH (2010) seine imagina\u0308re Biografie. In einer alptraumhaften Kulisse begibt sich sein Alter Ego in der Gestalt eines maskierten Jungen zuru\u0308ck auf die Spuren seiner Kindheit. Seine Bildsprache ist eine Mischung aus Science-Fiction und Horror und kein stimmiges Abbild seiner Erinnerung, sondern ein Konstrukt aus erinnerter und realhistorischer Vergangenheit. Im Titel schwingt eine Warnung mit, die nur durch eine angedeutete Assoziation eine verfu\u0308hrerische Kraft entwickelt. Das Video folgt keiner Narration, sondern erinnert in seinen absurden Bildern und der Farbgebung an Traumsequenzen. Wekuas Arbeiten fu\u00dfen auf theatralischen Kompositionsprinzipien: Podeste und ra\u0308umliche Eingriffe sind wesentliche Merkmale, die die auratische Kraft seiner Installationen noch versta\u0308rken.<br \/>\nDavid Claerbouts Arbeiten orientieren sich an den Darstellungsmodi des Kinofilms. In seiner 2-Kanal-Installation AMERICAN CAR (2002-2004) konfrontiert er den Betrachter mit zwei Projektionen, die nicht zeitgleich zu sehen sind. Die erste Projektion der Installation zeigt das Innere eines Autos. Zwei Ma\u0308nner in Ru\u0308ckenansicht schauen aus dem Fenster, Regen fa\u0308llt auf die Windschutzscheibe. Die zweite Projektion zeigt das Auto von au\u00dfen, wie es vo\u0308llig frei in einer nicht weiter bestimmten Landschaft steht. Der Betrachter betritt die Ra\u0308ume nacheinander, so dass die Zeit, die zwischen der Betrachtung der beiden Kana\u0308le vergeht und die im Film dargestellte Zeit erfahrbar wird. Er kann so aus der traditionellen Kinoperspektive in den Raum und die Rolle der Akteure treten. Die Illusion des filmischen Raums verschmilzt mit dem Realraum, subtil unterstu\u0308tzt durch zwei Audiokana\u0308le, die den Betrachter in seiner Position verunsichern. David Claerbout befragt das bewegte Bild des Mediums Film stets vor dem Hintergrund der Fotografie und im Rahmen der Mo\u0308glichkeiten seiner technischen Bearbeitung. Screen 2 ist nicht gefilmt, sondern eine Montage digitaler Fotografien.<br \/>\nIm Vordergrund der Ausstellung stehen, der Fokussierung der Sammlung gema\u0308\u00df, filmische Arbeiten, gleichwohl sprengen Werke wie die bereits beschriebenen Positionen von Mark Manders oder Andro Wekua, sowie Simon Denny, Jon Kessler, Zilvinas Kempinas oder Wolfgang Tillmans die klare mediale Einschra\u0308nkung und machen einmal mehr die Virulenz der komplexen Themen deutlich.<br \/>\nFolgende Ku\u0308nstlerInnen sind in der Ausstellung vertreten:<\/p>\n<p>Francis Aly\u0308s, Charles Atlas, Salvatore Bevilacqua, Johanna Billing, David Claerbout, Jane Crawford, Keren Cytter, Simon Denny, Olafur Eliasson, Robert Fiore, Cyprien Gaillard, Andreas Gursky, Nancy Holt, DAS INSTITUT and Adele Ro\u0308der, Zilvinas Kempinas, Jon Kessler, Mark Manders, Gordon Matta-Clark, Jessica Mein, Adrian Paci, Oliver Payne, Davide Pepe, Rob Pruitt, Nick Relph, Robin Rhode, Christoph Schlingensief, Jeremy Shaw, Robert Smithson, Christoph Schlingensief, Wolfgang Tillmans, Clemens von Wedemeyer, Andro Wekua, Christoph Westermeier, Tobias Zielony <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.julia-stoschek-collection.net\">http:\/\/www.julia-stoschek-collection.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: \u00a9Uwe Weber http:\/\/www.zeitraster.de NUMBER FIVE: CITIES OF GOLD AND MIRRORS (02. 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